am rauschenden Bach

Von in 2018 14 Kommentare , ,

Da laufe ich im Dunkeln entlang der kleinen Modau in Eberstadt. Es ist ein schöner, fast schon niedlicher Abschnitt eines Wanderweges. Ich muss vorsichtig laufen, weil der Weg Längsfurchen aufweist, aber das „Restlicht“ reicht, um wiedermal die Stirnlampe aus zu lassen. Neben mir rauscht der kleine Bach. Das Sprudeln des Wasser hat eine schöne beruhigende Wirkung. Toll! Und drüben, links von mir, über dem Wasser, weiß ich um den Bauernhof, auf dem sie auch einige Pferde halten. Dann schweift mein Blick nach rechts. Dort neben mir beginnt ein freies Feld. Genau deshalb hat ja das Restlicht auch eine Chance und fällt so ein, dass es für mich ausreicht. Ich bilde mir ein immer wieder mal Stoppeln des Feldes erkennen zu können. Die einzeln aufragenden Halme sind so dick, dass ich hin und wieder einen erhaschen kann. Fast schon träumend trabe ich vor mich hin. Ich genieße das Gurgeln des Wassers, das meine Gedanken ziemlich weit hinaus trägt. Dann mache ich doch eine kurze Pause und versuche etwas vom Bach in einem Bild einzufangen. Es gelingt nicht wirklich. Mehr als das Beitragsbild kommt dabei nicht heraus. Zu sehen ist ein kleiner Zugang zum Bachufer und dahinter ist die Wasseroberfläche zu vermuten. 🙂 Dann setze ich meinen Traumlauf fort! Ich nenne ihn so, weil er mich durch die Stimmung des Lichtes und das ruhige Tempo zum Träumen anregt. Das hätte ewig so weitergehen können, da weder das Tempo noch der Untergrund wirklich fordernd sind. Leider ist der Wegabschnitt dafür zu kurz. Bevor ich aber in einen viel dunkleren Pfad eintauchen „muss“, biege ich nach rechts ab, um über das Feld einen anderen Weg einzuschlagen. Und plötzlich, bevor ich den Bachlauf verlasse, schießt mir ein schräger Liedtext durch den Kopf. Wer Torfrock kennt, fühlt sich um einiges an Jahren zurückversetzt. 😛 (Wer den gesamten Text lesen will, der klicke die Überschrift an.)

Torfmoorholmer Folklore
Am Brunnen vor dem Tore
singt Torfmoorholm Folklore.
Es klappt der Müller am rauschenden Bach zusamm.
Denn fällt er in das Mühlenrad zadadamm.
Zadadamm zadadamm klippklapp
zadadamm zadadamm klippklapp.
Wer klassischen Folklorerock
aus Torfmoorholm nicht kennt,
hat wahre Kunst von sich abgeblockt
und hat die Welt verpennt.
Hewierock oder wie das heißt,
Nju Wave und Pankradau
klingt so, als ob man Erich beißt.
Wir wern daraus nich schlau.

Am Brunnen…

 

Ursprünglich hatte ich vor auf „Foto-Safari“ zu gehen, aber im Dunkeln kann man die beste Beleuchtung nicht so gut einfangen. Ich hatte nämlich, so wie Elke, die Idee die unterschiedlichste Weihnachtsdekos in den Vorgärten und an den Häusern der nahen Siedlung zu fotografieren.

Zum einen traute ich mich nicht wirklich bis an die Häuser heran, weil plötzlich die hellste Beleuchtung „ansprang“. Dadurch war ich so verunsichert, dass ich dachte, unter der hellen Beleuchtung sprintet gleich noch ein Wachhund hinter den Autos hervor.

Zum andern war die eher niedliche Weihnachtsdekos weit weg, dass ich sie nicht wirklich gut einfangen konnte.

Also steckte ich das Handy weg und beschloss den Versuch für gescheitert zu erklären!

Genau dadurch aber ist die Alternative entstanden! Ph, dann laufe ich eben woanders entlang! 😆 Viel Zeit hatte ich mir für meinen kleinen Lauf nach meiner Pause noch nicht gegönnt. So kam eine 8km-Runde heraus mit dieser sehr schönen ruhigen und fast schon anheimelnden Passage.

 

P.S.: … und ich hab noch einen Link zur Musike von Torfrock gefunden!

14 Kommentare

  1. ultraistgut |

    Lieber Manfred, ist dein Ausflug nicht genauso verlaufen, wie mein letzter in der Natur, du in anderer Umgebung als ich, aber die Gefühle und Gedanken sind sicherlich vergleichbar !

    Was die Weihnachtsdekoration überall im Land angeht, nicht meine Welt, alles ist zu bunt, zu viel, zu kitschig – nicht meine Welt !

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    • Manfred |

      Liebe Margitta,
      genau wegen des Kitsches der meisten Dekos, wollte ich die eine oder andere „besondere Idee“ einfangen. Zum einen ist dieses Besondere sehr schwer zu finden und zum anderen hatte ich eben die beschriebenen Schwierigkeiten. 🙁
      Das führte ja zu dem kurzen Lauf in viel schönerer Umgebung 🙂 in toller Natur … und ja, mit ähnlichen Gedanken wie du!
      LG Manfred

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  2. Christian |

    Lieber Manfred,

    kenne das sehr gut, wenn bestimmte monotone Geräusche beim Laufen für einen Trance ähnlichen Zustand sorgen, deshalb laufe ich wahrscheinlich so gerne bei Regen 😉
    Ich weiß nicht, ob ich jetzt glücklich oder traurig sein soll, ob der Tatsache, dass mir Torfrock so gar nix sagt…wenn ich den Liedtext so lese bin ich eher glücklich, den Link klicke ich aber definitiv nicht an 🤣🤣🤣

    Salut

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    • Manfred |

      Lieber Christian,

      das Gurgeln des Baches war gar nicht sooo monoton, da er wieder mehr Wasser führt! So floß das Wasser sogar mit recht abwechslungsreichem Klang! – Aber ich verstehe sehr gut, was du meinst und kann es auch sehr gut nachfühlen.

      Wenn du wenig übrig hast für die beiden noeddeutschen Blödelbarden Klaus und Klaus, dann ist auch Torfrock nicht dein Ding. Einer der beiden war Gründungsmitglied von Torfrock. Ich weiß auch nicht mehr, wie ich auf Torfrock stieß. Es war zu meinen Berliner Zeiten. Aber ab und an habe ich auch was übrig für schrägen Humor … vielleicht zur Ablenkung vom Ernst des Lebens! 😛 Den Link musst du definitiv nicht anklicken. Da singen sie nur ihren Text auf die Melodie des Volksliedes! 🙄

      Salut

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  3. Volker |

    Ach, lieber Manfred,

    da nimmt man nach den ersten Zeilen so richtig die schöne Stimmung auf, höre sogar für den Bach rauschen, laufe in Gedanken auch ruhig durch die Dunkelheit, da kommst Du mit diesem kruden Text von Torfrock um die Ecke. *Puff* Träumerei dahin! Da reißt auch die Weihnachtsbeleuchtung nichts mehr raus 😆

    LG Volker

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    • Manfred |

      Lieber Volker,
      aber wenigstens kanntest du diese Blödelbarden! – Vielleicht hätte ich 2 Posts draus machen sollen??? SORRY! 😥
      Ich fand auch, dass mir mein Text ganz gut zum Nachträumen gelungen war! Aber ihr dürft ja auch nicht zu weit rausträumen. Nachher schafft ihr es nicht mehr zurück! – Aber vor Weihnachten nicht allzu böse auf mich sein! 😉
      LG Manfred

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  4. Elke |

    Lieber Manfred,
    lach, ja diese Fotoprobleme mit Lichterdeko… mir geht es wie Dir, ich scheue davor zurück allzu nah den Leuten auf den Pelz zu rücken. Und oft kommt es auf Fotos sowieso nicht recht rüber.
    Interessant, was andere so beim Laufen empfinden. Ich finde Läufe auf z.B. monotonen Aspahltwegen geradezu kontemplativ, weil nichts die Gedanken und den Laufrhythmus stört. Unebenes, wechselhaftes Gelände hingegen ließen mir keinen Raum für Gedanken. Wobei ich das durchaus auch mag, oder einen gurgelnden Bach. Dann aber bei anderen Läufen.
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Manfred |

      Liebe Elke,
      mit dem Handy zu fotografieren ist auch aufgrund der „begrenzenden Software“ nicht einfach und die Ergebnisse, vor allem abends und nachts, sind bescheiden! 😉
      Wenn ich die Macken des Weges kenne, kann ich dann auch gedanklich „abtauchen“! 🙂 … und wenn dann noch ein Bach gurgelt! 😆
      LG Manfred

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  5. Helge Orlt |

    Lieber Manfred,
    also Torfrock sagt mir gar nix, und mir geht die ganze bunte, blinkende Weihnachtsbeleuchtung schon jetzt mächtig auf die Nerven. Aber es gibt tatsächlich immer mal wieder zwischendurch etwas wirklich schönes und ansehnliches. Aber leider nehmen die ganzen beleuchteten Figuren, die blinkenden und am besten noch bunten Lichterketten sehr viel weg von der Gemütlichkeit, die mir früher die Weihnachtsbeleuchtung bedeutet hat.
    Was ich aber richtig gut nachvollziehen kann, ist dein Lauf entlang des Baches. Das Plätschern des Wassers, da können die Gedanken „fliegen“. So wie Christian schreibt, es ist wahrscheinlich diese Art von gleichmäßigem Geräuch, das unseren Kopf in eine Art Flow versetzt.
    Und das Geräusch von fließendem Wasser hat schon etwas magisches 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Manfred |

      Liebe Helge,
      Torfrock ist eine norddeutsche Band aus „Blödelbarden“, die sich dem regionalen Humor widmet! 🙂 Man muss schon was dafür über haben. Einer der beiden von Klaus & Klaus war Gründungsmitglied. Die sind ja etwas bekannter. Aber sie nicht zu kennen ist auch okay! 😆
      Bei uns waren die USAmis jahrelang stationiert. Schlimmer als die es gemacht hatten, kann es nicht werden! Aber schön ist sowas auf gar keinen Fall!!! 🙁
      Magisch kann die Stimmung bei solch einem Lauf definitiv sein. Leider ist sowas viel zu schnell vorbei!
      Auf viele solcher Flows!
      LG Manfred

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  6. regenfrau |

    Lieber Manfred,
    erst erinnert mich Volkers Blogbeitrag an „Adular Zech“ von Torfrock und jetzt bekommen sie bei dir auch noch eine Erwähnung?? Nanu! 😀
    Das mit der Weihnachtsbeleuchtung scheint gar nicht so einfach zu sein. Ich habe es selbst nie versucht, weil ich abends eher raus aus dem Ort laufe und auch gar nicht so aufmerksam auf die Stromverschwender achte. 😉
    Da wäre so ein meditatives Bachplätschern schon eher meins! 🙂

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    • Manfred |

      Liebe Doris,
      leider kann ich nicht ergründen, warum ich da gerade auf einen Text dieser Blödelbarden stoße. Und dann hatte ich das Lied fast noch wie einen Ohrwurm im Ohr! 🙁
      Die Lichtverschwender ziehen mich weniger an, aber es werden manchmal ganz nette Ideen umgesetzt.
      Das kontemplative solcher Läufe, das hat schon was! 🙂
      LG Manfred

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  7. regenfrau |

    PS: ich hatte beim ersten Satz deines Beitrags übrigens schon Smetana im Ohr, weil ich der Modau beim Lesen ein „L“ hinzugefügt hatte! 😆

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    • Manfred |

      Liebe Doris,
      ich hab sie schon manchmal „liebevoll“ unsere kleine Moldau genannt! 😆
      LG Manfred

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Und, was denkst du?