Stasi in Berlin

Von in 2019 10 Kommentare

Neben dem „grünen Schwerpunkt“, den wir dieses Jahr bei unserem Berlinbesuch gelegt hatten, wollten wir wenigstens an einem Tag noch ein bisschen auf Kultur und Bildung machen! 😆

Im Oktober 2017 waren wir an einem Tag unseres Berlin-Besuches auch im Stasi-Museum. Unter dem Titel „auch das war mal Berlin“ habe ich damals ein paar Zeilen geschrieben, bevor ich einen Link gesetzt hatte. Dieser führt zum Hauptartikel: Farbe bekennen, lohnt sich das? auf meine Seite „by the Way“.

Dieses Jahr folgte eine „Fortsetzung“ des Ganzen, insofern als wir uns in die Gedenkstätte des Stasi-Gefängnisses nach Hohenschönhausen begeben haben.

 

Auch und gerade dort wurde das wieder bewusst, was wir uns 2017 angeschaut hatten. Vielleicht in anderer Weise noch anschaulicher, weil man auch mal in die Gefängniszellen schauen und hineingehen durfte! 👿 Leider habe ich im Kellergeschoss, im eigentlichen Gefängnistrakt, keine Bilder selbst gemacht, aber zuerst hat uns mal das „Gemäuer“ von außen an damals erinnert, also an die Zeit vor 1989!

 

Als Westberliner ist man ja nicht nur im Transitverkehr unterwegs gewesen, sondern hat durchaus auch mal den Ostteil der Stadt besucht. Mauern zum „Schutz der DDR-Bürger“ und Türme zur Überwachung des Staatsfeindes im Westen, sowie Kontrollstationen hat man zuhauf erlebt. Als Wessi zückte man nur seinen Reisepass und es war somit einfacher mal für einen Tag „rüber zu machen“. Wobei die Ossis darunter etwas anderes verstanden haben.

Als Westberliner musste man sich in eines der „Büros für Besuchs- und Reiseangelegenheiten“ (BfBR) begeben, um einen „Berechtigungsschein zum Empfang eines Visums der DDR“ zu beantragen. Ich schlug in solchen Fällen im Forum Steglitz auf. Dort gab es eine solche Vertretung der DDR (BfBR) auf Westboden!

Zur Veranschaulichung habe ich mal in meiner Kiste gekramt und solch ein „Teil“ abfotografiert. Ausfüllen durfte man diesen Antrag aber nur als Westberliner, so man ja auch einen Perso in grün besessen hat … und wenn es gut ging, konnte man nach 2 – 3 Wochen dort wieder aufschlagen.

Wer sich schlau machen will, kann sich im Internet gütlich tun. Es gibt genügend Seiten, die darüber informieren, wie es vonstatten ging … mit diesem Berechtigungsschein und der Zoll- und Devisenerklärung und … etc.

… und so einfach war es an diesem 5. Juli 2019 die Erinnerung zurückzuholen!


Den Innenhof der Gedenkstätte hat man wohl bewusst so belassen, um an damals zu erinnern.

Dort angekommen, überraschten uns erst einmal die Menge von jungen Leuten. Na gut, noch hatten nicht alle Bundesländer Ferien … und gut ist auch, wenn solche Gedenkstätten genutzt werden. Aber mit einer Meute von mindestens 3 Schulklassen in den Ferien eine solche Gedenkstätte anzuschauen, das wollten wir uns eigentlich nicht antun. Wir wichen wohl um 3 – 5 Schritte zurück, als uns ein Mitarbeiter folgte. – War er einer der dort gelitten hatte? Viele, die in solchen „Einrichtungen“ traumatisiert worden waren, arbeiten auf ehrenamtlicher Basis freiwillig mit, auch um ihre Erfahrung „zu erhalten“!

Wir erfuhren, dass wir auch unabhängig von den Schulklassen und einer Führung Räumlichkeiten besichtigen könnten … also auf zum Info-Schalter. Wir erhielten nach einer Einweisung etwa DIN-A4 große Tablets in die Hand und begaben uns in den Schauraum, oder neudeutsch showroom. Dort wurden wir auf modernem digitalem Niveau durch den Raum und Berlin geführt. – Boden und Wand des Raumes waren mit einer Berliner Karte ausgeleuchtet und auf dem Tablet erschienen Orientierungspunkte. Klickte man einen davon an, erhielt man sehr detaillierte Infos.

  • In der 1. Hälfte der Führung wurde man durch Berlin geleitet und bekam Örtlichkeiten, also Gebäude und Wohnungen gezeigt, die damals von der Stasi ge- und benutzt wurden! – Erschreckender Weise lagen viel mehr als wir gedacht hatten und uns bewusst war im damaligen Westteil der Stadt! 🙄
  • In der 2. Hälfte der Führung ging es um persönliche Schicksale. Über 15 Personen hätten wir uns Infos anhören, oder anschauen können. Da waren genauso Maueropfer dabei, wie Menschen, die ihre Arbeit als IM verweigert hatten und solche, die aktiv in den Widerstand getreten waren.

Die Zeit reichte bei weitem nicht aus, um alles nachvollziehen zu können. Aber mehr als sich über 4 – 5 Menschen (2. Teil) zu informieren, würde der Sache auch nicht gerecht werden, zumal man so viele Einzelschicksale gar nicht verarbeiten kann!

Im Anschluss daran waren wir im schon erwähnten Kellergeschoss. Das Foto ist ein Archiv-Bild der Gedenkstätte.


(Quelle: Prospekt – Das Stasi-Gefängnis)

Danach hatten wir das Bedürfnis uns nicht gleich wieder in die „Fluten der Großstadt“ zu stürzen. In einem naheliegenden Café ließen wir den Vormittag und das Erlebte nach- und ausklingen:

10 Kommentare

  1. Christian |

    Lieber Manfred,

    leider auch ein sehr dunkles Kapitel, was unser Heimatland betrifft. Ich kann mich noch sehr gut an die Schikanen an der Grenze erinnern, wenn wir die Ostverwandtschaft besucht haben, selbst die Fahrt auf der Transit-Autobahn nach Berlin war immer für eine Überraschung gut.
    Schön, dass es solche Gedenkstätten gibt, die die Geschichte lebendig halten

    Salut

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    • Manfred |

      Lieber Christian,
      wenn man dort „drinnen“ ist, kommt vieles „zurück“, als wäre es erst gestern gewesen.
      Kleine Anekdote: ich hab damals in Berlin viel mit dem Rad gemacht, wirklich verfahren hab ich mich nie. Einmal wusste ich erst nicht weiter, fuhr bis zur Mauer, dann an eine bekannte Stelle und von dort nach Hause! 🙈
      Ich finde auch, dass es wichtig ist, das zu erhalten, auch wenn es ein trauriges Kapitel ist.

      Salut

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  2. Elke |

    Lieber Manfred,
    ja auch so etwas gehört zur Geschichte unseres Landes. Ich finde es wichtig, auch solche Stätten der Erinnerung zu erhalten, dort wird das alles viel greifbarer als in Büchern oder Filmen oder im Netz. Da ich die Teilung auch sehr miterlebt habe (Teil der Familie war in Sachsen) löst das bei mir auch immer gleich eine Flut von Bildern und Erinnerungen aus. Danke fürs Zeigen!
    Gut, dass das alles Historie ist!
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Manfred |

      Liebe Elke,
      oh ja, wie froh wir darüber sein können, dass das Geschichte ist!
      … leider aber nicht überall auf der Welt! 😥
      Da es in solchen Gedenkstätten und bei Führungen an Originalstätten viel anschaulicher wird, ist es auch gut, dass das Schulklassen besuchen … auch wenn wir in den Ferien „unsere Ruhe“ haben wollten! Wir kümmern uns wieder in der Schulzeit um das „junge Volk“ un auch darum, dass so etwas erhalten bleibt! 😉
      LG Manfred

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  3. Volker |

    Lieber Manfred,

    ich will ja keine Pauschalschelte betreiben, aber alle die, die vornehmlich im Osten, sich wieder in Massen einer intoleranten Partei wie der AfD zuwenden, sollten sich einmal dringend solche Orte anschauen, um sich vor Augen zu führen, was passieren kann, wenn man nicht mehr ungeniert das Maul aufreißen kann.

    Ich möcht den Ort auf jeden Fall auch noch aufsuchen.

    LG Volker

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    • Manfred |

      Lieber Volker,

      du kannst ruhig mal schimpfen, manchmal ist das sogar wichtig und angebracht! Aber ob dieses P… sich von seiner Meinung abwendet wage ich zu bezweifeln … vielleicht passierte sogar das Gegenteil und sie würden sich bestätigt fühlen. Solch eng „getaktete“ Menschen sind nicht belehrbar … LEIDER! 😥

      Kannst ja dann mal deine Eindrücke schildern, wenn du dort warst … und lass uns aufs junge Volk „einwirken“!

      LG Manfred-

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  4. ultraistgut |

    Lieber Manfred, wahrlich ein trauriges Kapitel unserer Geschichte.

    Wir haben hier in der Nähe auch ein Stasi-Museum besucht, danach war ich erst einmal fertig und sehr traurig, was ich alles über die damaligen Machenschaften erfahren musste, da sitzt tief.

    Wir haben in Rheinland-Pfalz damals nicht viel mitbekommen – abgesehen von den vielen Todesschüssen an der Mauer, die uns jedesmal erschaudern ließen. Zum Glück ist das alles Schnee von gestern – aber ich bin immer wieder geschockt von solchen Erlebnissen, wie ich z.B. auch einmal das Konzentrationslager in Dachau besucht hatte, das verdaut man nicht so einfach.

    Antworten
    • Manfred |

      Liebe Margitta,

      solche Erlebnisse sitzen tief und wenn es NUR der Besuch einer Gedenkstätte, oder eines Museums dieser Art ist! 😥
      Schlimm wozu Menschen fähig sind oder werden … manchmal nur um die eigene Meinung, oder die Denkrichtung zu verteidigen, oder um die eigenen Ängste zu besiegen! 👿
      Das Gesehene klingt nach, auch und gerade wieder durch meinen eigenen Post!

      LG Manfred

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  5. Anne |

    Lieber Manfred,
    noch ein Ort, der auf meiner Agenda steht, allerdings wohl erst an einem Schlechtwetter-Wochenende. Ich glaube, ich muss auch die „richtige“ Befindlichkeitdafür mitbringen, sonst geht mir der Besuch zu nahe. Ich denke, wenn man das gesehen und erläutert bekommen hat, versteht man noch weniger, warum manche Menschen dem alten Staat so hinterhertrauern oder sich ein totalitäres Regime mit hoher staatlicher Kontrolle wünschen.

    Liebe Grüße
    Anne

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    • Manfred |

      Liebe Anne,

      genau das verstehe ich nicht, man hat ein totalitäres Regime erlebt und „wünscht“ es sich wieder (herbei). Der Vorteil wäre, dass man keine Verantwortung zu übernehmen braucht. Eine falsch verstandene Nostalgie (früher war alles besser) kommt genauso dazu, wie so eine Art Sehnsucht nach einem Superhelden („Erlöser“), der alles regelt und in Ordnung bringt. Zudem glaube ich, dass diese Menschen oft sehr angstbesetzt sind. Alles was fremd ist und wirkt ist schlecht.

      Für das andere, das Hinterhertrauern gibt es den einen oder anderen Ansatz von Verständnis bei mir. Dieser Raub-Kapitalismus im Westen hat schon was Befremdliches, gelinde gesagt. Manche haben auch einen „anderen“ Zusammenhalt in der DDR erlebt, aber daran könnte man ja selbst drehen, wenn man es wollte und nicht alles so herbeiwünscht, wie es mal war. … und die Bildung spielt z. T. auch eine Rolle.

      So, genug theoretisiert! 🙁

      Dir wünsche ich die richtige Einstellung (Befindlichkeit), wenn du es für dich mal angehst.

      LG Manfred

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