Hat dich auch schon mal eine große „Sache“ angelacht,
du hast dich aber nicht an die Umsetzung gewagt?

Aus der Überlegung heraus, dass man sich vielleicht zu etwas durchringt, wenn man vom Erfolg anderer liest, habe ich hier meine Erfahrungen aus dem Jahr 2011 noch einmal festgehalten.

Im Winter 2010/11 lautete meine Frage:
Bin ich fit für einen tollen, langen Lauf im Gebirge, oder reicht meine Ausdauer für solch eine Unternehmung dann doch nicht aus?

Was vorher war

27. März 2011:
♦ im Internet auf den Zugspitz-Ultratrail (ZUT) gestoßen
♦ ungeheuer faszinierend was PlanB macht: soll ich mich melden?
♦ dann umgehend für den Ultratrail gemeldet
♦ Berge des Wettersteins: ich komme

28. März 2011:
♦ was hat mich gestern geritten
♦ Ultra dieser Länge
♦ noch nie vorher gelaufen
♦ bisher maximal Marathons absolviert

01. Mai 2011:
♦ erstmals einen 4-Stunden-Lauf gemacht
♦ bewusst ruhig begonnen
♦ 18 Kilometer in 2 Stunden
♦ nach 2 Stunden etwas beschleunigt und 20 km drauf gepackt

23. Juni 2011:
♦ mit meiner Frau ins Gebirge gestartet
♦ um 14.30 Uhr in Grainau

Der Zugspitz-Ultratrail 2011

25. Juni 2011:
♦ um 7.15 Uhr endlich der Startschuss
♦ erst 2 km auf Asphalt, dann Forststraßen, später Trails
♦ 10 km: Eibsee-Alm 1016 m
♦ der See liegt idyllisch!
♦ toller Ausblick – wir genießen es!
♦ 2 Std.: deutsch-österreichische Grenze auf 1525 m passiert
♦ Hochtörlenhütte bei km 14,2
♦ dann auf Abstiegen zügiger unterwegs
♦ 2½ Std.: 17,3 km
♦ 9.52 Uhr Verpflegungsstelle 2 → 1. Kontrolle
♦ Cut wäre um 11.30 Uhr
♦ wir sind außer Gefahr!
♦ folgender Aufstieg schwerer → Tempo sinkt
♦ Motoradfahrer (Rescue-Team) testen Geländegängigkeit ihrer Enduros
♦ wir wandern nur noch
♦ die erste echte Herausforderung zum Feldernjöchl hinauf
♦ auf 7,5 km – 921 Höhenmeter zu bewältigen
♦ zwischendurch bei km 28,2 die dritte Stärkung
♦ warme Suppe an der Pestkapelle
♦ anschließend kann ich im gleichmäßigen Rhythmus laufen
♦ lasse Ulrich und Peder hinter mir
♦ noch zwei Drittel vor mir, aber das Kraxeln macht Spaß
♦ ich genieße das Majestätische der Bergwelt
♦ bin oben → Feldernjöchl (2045 m)
♦ freue ich mich über eine willkommene Abkühlung
♦ dann ein steinigerer Trail bergab
♦ und wieder geht´s hoch
♦ höchste Erhebung auf über 2200 m
♦ kurzer „Downhill“
♦ dann der Anstieg zum dritten Gipfel (2100 m)
♦ nach vielen kürzeren Aufs und Abs jetzt ein längerer Abstieg
♦ im vorderen Odenwald nicht trainierbar
♦ Rotmoosalm (1904 m) passiert
♦ es geht nun noch schneller abwärts
♦ nicht mal eine Stunde später → wir sind wieder „unten
♦ Hämmermoosalm 1417 m → vierte Verpflegung
♦ nach der Labung → rauf zum vierten von fünf 2000ern
♦ 90 Min. Kraxelei → endlich wieder oben – Scharnitzjoch 2048 m
♦ muss hier an den letzten Tour-Gipfel denken: Bergstation Alpspitzbahn
♦ ewig weit weg – noch 40 km zu laufen
♦ ist Zukunftsmusik – jetzt konzentriert laufen
♦ anders geartete Herausforderung wartet
♦ meine erste ganz große Prüfung dieses Ultratrails
♦ 1000-m-Abstieg auf nur 7,7 km
♦ bergauf Thomas überholt – jetzt ist er wieder schneller
♦ kann „Downhills“ üben – der letzte wird nochmal schlimmer
♦ puh, bergab merke ich die Oberschenkel – brennen unangenehm
♦ werde ausgebremst – es geht schleppender voran
♦ muss vieles um mich herum ausblenden – konzentriere mich einfach auf mich
♦ jahrelange Erfahrung als Läufer hilft in mich hinein zu hören
♦ erlebe und erleide selbstversunken Strecke, Natur und mich
♦ irgendwann dann doch die Talsohle erreicht
♦ sehne mich nach der nächsten Verpflegungsstelle
♦ Hubertushof bei 55,7 km → nach 10 Stunden Belastungszeit
♦ es ist schon später Nachmittag: ~ 17.30 Uhr
♦ medizinischer Check im Zelt – darf passieren
♦ sehe nicht so kaputt aus, wie ich mich fühle
♦ Kumpel Manfred empfängt mich – holt mir hinterlegten Kleiderbeutel
♦ Thomas ruft lächelnd: „Wir sehen uns wieder!“ und verlässt die Station
♦ komme nach dem Socken-Wechsel überraschend gut aus dem Liegestuhl
♦ nach Stärkung, Wasser für den Trinkschlauch nehme ich Erdnüsse in die Hand
♦ verlasse die Station und träume von einer schönen Tasse Cappuccino
♦ Manfred geht einen Sauerbraten essen – hätte darauf keinen Appetit
♦ in Flachpassagen unterhält mich Albino
♦ lasse Albino hinter mir → schließe zu Thomas auf
♦ passieren gemeinsam die Grenze zurück nach Deutschland
♦ vor der Dämmerung Mittenwald durchlaufen
♦ am Ferchensee (1080 m) folgt dann die nächste Verpflegungsstelle
♦ rufe später auf einem leicht ansteigenden Forstweg zuhause an
♦ 70 km geschafft → meine besorgte Frau ist beruhigt
♦ danach wieder zu Thomas und Armin aufgeschlossen
♦ meine Oberschenkel brennen im starken Gefälle
♦ nähe Partnachklamm (810 m) wartet die nächste Stärkung
♦ in einer Station – gespenstisch beleuchtet wie ein Nachtlager von Abenteurern
♦ nach 80 Kilometer in 15 Stunden schmeckt die warme Suppe sehr gut
♦ an einer Laubhütte vorbei geht es wieder hoch (84,6 km)
♦ auf Pfaden in Serpentinen steigen wir langsam aufwärts
♦ und schon bald habe ich wieder Hunger → bin wohl unterzuckert
♦ 0.30 Uhr, endlich die Verpflegungsstelle Talstation Längenfelder (1610 m)
♦ ich esse und trinke gründlich und setze mich von Armin ab
♦ Thomas ist schon weiter oben unterwegs
♦ auf einer Hochebene nieselt es, ein leichter Wind kommt auf
♦ stehe gegen 1.45 Uhr endlich auf dem letzten Gipfel des Ultra-Trails
♦ es ist windig hier oben an der Bergstation der Alpspitzbahn (2029 m)
♦ diese Erfrischung kann ich aber genießen → mir war nie zu kalt!
♦ zu unseren Füßen die beleuchteten Orte Grainau und Garmisch-Partenkirchen
♦ ein ganz toller Blick ins Tal und auf die Strecke
♦ Streckenposten illuminieren den Weg mit kleinen Lichtern und Feuern
♦ toll gemacht, da es jetzt in Serpentinen steil abwärts über wurzelige Pfade geht
♦ manchmal müssen wir Stufen von 10 bis 15 cm runter steigen
♦ normalerweise unproblematisch, heute schmerzen die Oberschenkel
♦ durch kleine Wasserläufe sind manche Wegabschnitte sehr matschig
♦ plötzlich rutscht mein linker Schuh weg
♦ der rechte Oberschenkel wird bis zum Platzen gespannt
♦ ich stöhne vor Schmerzen kurz auf und platsche auf meinen Hosenboden
♦ meine Stöcke waren keine Hilfe
♦ nach grobem Reinigungsversuch geht es weiter
♦ bin dann zurück an der Verpflegung – Talstation Längenfelder (1610 m)
♦ weiß jetzt, dass es definitiv nur noch bergab geht,
♦ halte mich nicht lange auf, trinke eine Suppe, nehme Powerbar und Nüsse
♦ entdecke vor dem Weiterlaufen Ulrich auf seinem Weg nach oben
♦ wir tauschen uns kurz aus, dann bin ich weg
♦ nie schlecht gelaunt, steigt jetzt trotzdem die Stimmung
♦ ich realisiere, dass es wirklich zu packen ist
♦ noch ist etwas Geduld gefragt, eine Kontrollstelle zu passieren
♦ rufe dort meine Nummer und verschwinde wieder in der Nacht
♦ dann hört plötzlich dieser letzte Steig auf
♦ die Landstraße von Hammersbach nach Grainau ist erreicht
♦ mit tollen Gefühl bin ich immer noch im Laufschritt unterwegs
♦ und dann eine scharfe Rechtskurve, ich sehe den Zielbogen und das Festzelt
♦ Fotografen nehmen mich um 3.43 Uhr ins Visier
♦ es ist erhebend, ich bin glücklich, aber geschafft
♦ nach 20 Std. 28 Min. habe ich meinen ersten Ultra-Trail bewältigt und
♦ 101 Kilometer mit 5474 Höhenmeter erfolgreich hinter mich gebracht!