Der Veranstalter nennt es sogar Everesting Festival.

Ganz genau konnte ich im Vorfeld nicht einschätzen, worauf ich mich da eingelassen hatte, bzw. was es bedeutet 8.848 hm auf einer Strecke von 59,4 km zu bewältigen. Für mich war eine Überlegung vorrangig, ich kann es marschierend angehen! Alles andere … wird schon!

Wir gönnten uns Urlaub in Garmisch-Partenkirchen, wo das anstehende Ereignis omnipräsent war, entweder auf Flyern oder auf Info-Säulen vom Herrn Litfaß! 😆 1 x wanderten wir die zu bewältigende Strecke von 3,3 km (~ 500 hm) zum Eckbauer hoch, die ich dann 18 x marschieren muss. Meine Frau kommentierte: „Mir hat das eine Mal vollends gereicht. 😉 … Es ging fast nur sehr steil bergauf … [und] … war sehr anstrengend!“ – … aber für mich gab’s kein Zurück mehr! 😛

Dann holte ich die Startunterlagen einschl. T-Shirt, erkundete mich nach den kostenfrei zu leihenden Stirnlampen, schaute mich auf der Expo um und wurde von Uta Albrecht (Chefin von PlanB) herzlich begrüßt und umarmt! – Am frühen Abend ging’s zum Interview. Frau Lange (Zeit online) wollte einige Teilnehmer ‚ins Visier‘ nehmen und ich bin wohl als Ältester aufgefallen!?

Nervös, wie selten zuvor, konnte ich noch weniger schlafen als sonst vor großen Ereignissen! – Am Morgen half der Anblick von Mond und Alpspitze wenig, konnte nicht wirklich beruhigen! 😉

Es bringt ja auch nix, also rein in die Kalmotten und los! 😆

Die Haltestelle war nicht weit, die Fahrt war kurz, nur die Zeit bis zum Start dauerte ewig.
Dann endlich das erlösende >Highway to hell<, ich rufe „Deswegen bin ich hier!“ und lege los!

Vom Gefühl her starte ich schön ruhig, schnell sind mir auch einige enteilt und doch lasse ich mich mitziehen. So gelingt es mir nicht die Strecke mit ihren Tücken schon auf der 1. Runde vernünftig zu verinnerlichen, realisiere aber diese fiesen Rampen.

Typische Stellen habe ich noch von unserer Erstbegehung im Kopf, wie das ewig lange Aufwärtsstück, asphaltiert wie alle starken Steigungen! → Asphalt = Vorsicht geboten!

Eine Notiz von Doris bestätigt: 37:42 Min. ne schnelle 1. Runde. – Eingerechnet hatte ich 1 Std.!

Bei der Verpflegungsstelle (VP) halt ich mich nicht lange auf, greife ein Bananenstück ab, sitze schnell in der Gondel talwärts und nehme mir vor etwas verhaltener weiterzumachen! 😳

Auf Runde 2 und 3 kann ich mehr aufnehmen, mir mehr von der Strecke merken, bekomme mit wie sich die 300 Teilnehmer ordentlich verteilen können, bin aber immer noch gut dabei!

Der Monitor bei der Bergstation zeigt mir, dass ich 3 Runden einschl. zweier Gondelfahrten noch unter 3 Std. absolviert habe, Runden 2 und 3 jeweils unter 50 Min. – Viel gedacht habe ich auf diesen Anstiegen nicht, genieße aber das Wetter, Natur und Bergwelt. Es ist einfach herrlich hier draußen und wenn ich schon nicht hier wohne, muss ich solche Erlebnisse bewusst aufsaugen!

Ist mir die 3. Talfahrt nicht gut bekommen? – Ich schlappe in die 4. Runde, s. Bild von Lizzy (sorry, hab’s weggefunden), als sie mir höchstpersönlich entgegenstrahlt! – Nach herzlicher Umarmung geht’s gemeinsam in die Runde. Es wird ein munterer Abschnitt, den ich da mit Lizzy gehen, in dem ich Lizzy endlich mal live erleben darf! Leider kann sie nicht lange mithalten, aber ich bin dankbar einen so frohen und munteren Menschen kurz neben mir gehabt zu haben! Ehrlich jetzt! – Nur war ich unsicher: „Hätte ich mich mehr zurücknehmen sollen, damit wir mehr voneinander haben?“ – Ich hoffe drauf, dass sie mich versteht und setze den Anstieg fort!

Ich treffe meine Frau zum 2. Mal, ich erzähle von der Begegnung mit Lizzy und gemeinsam warten wir bis uns Lizzy recht schnell eingeholt hat! Wir machen Fotos voneinander, bevor ich

wieder alleine weiterziehe! – Für diese 4., aber auch für die 5. und 6. Runde benötige ich ziemlich genau eine Std. und bin damit bei der Zeit, die ich vor dem Ereignis eingerechnet hatte! Toll ist, dass ich jeweils am Ende dieser beiden Runden Lizzy vor der Bergstation nochmal sehen und kurz sprechen kann! Sie genießt das Wetter in toller Umgebung, ich gönn’s ihr! 😉

Wie ich in einem kurzen Interview auf dem Berg erwähne (s. Beitrag von Lizzy), hab ich Hunger. Die Bissen zwischendurch, bzw. nach jedem Aufstieg reichen nicht. Ich greife stärker zu, habe ja in der Gondel Zeit es zu mir zu nehmen. Das Essen in der Gondel wurde uns ausdrücklich erlaubt. So schicke ich diesmal nicht nur Bilder an die Lieben zuhause, sondern stärke mich und gönne mir einen Activator-Shot, auch wenn mir jetzt ein gepflegter Cappuccino lieber wäre! 😆

Ich habe es aufgegeben die Uhr genauer im Blick zu haben, aber mein gutes Gefühl ein recht gleichmäßiges Tempo marschieren zu können, wird später durch die Auswertung bestätigt!

Nach der 8. Runde frage ich bei Ledlenser nach der Stirnlampe. Noch eine Runde, dann sollte ich sie mir abholen, sonst wird’s zu dunkel. – Ansonsten lassen sich die leichten Schwankungen in den Rundenzeiten auch durch unterschiedlich lange Aufenthalte in der VP erklären. Mal dauert das Auffüllen der Flasks mit Wasser etwas länger, mal gönne ich mir ein leckeres Stück Kuchen und später gönne ich mir eigentlich nach jeder Runde eine heiße Brühe, für mich der ultimative Tipp gg. allzuviel Süßes, mit Salzen und Flüssigkeit, die zusätzlich etwas Wärme zuführt! 

In der Gondel mach ich mir aus der Idee des Veranstalters einen Spaß und hake jede Runde brav ab! Auch dadurch entstehen immer wieder nette Gespräche, da ich so manches Mal meinen Stift ausborgen muss. So werde ich sogar gebeten „Hak mir doch bitte meine ersten Runden ab, ich hatte es vergessen!“ – Dann hole ich mir die Leihlampe ab, obwohl ich sie noch nicht brauche!

Auf Runde 9 gehe ich das 1. Mal die ewiglange Steigung sehr bewusst an. Es fällt zunehmend schwerer. Der Anstieg kündigt sich ja nicht nur durch den asphaltierten Untergrund an, nee, wie zur Warnung steht vorher ein Schild, dass es noch 2 km bis zum Eckbauer sind! Es ist ja nett gemeint, aber nicht mal die Hälfte einer Runde ist bis dahin geschafft! 😳

Ich lass mich dann halt unterwegs durch einen Spruch aufmuntern und werde wie so oft vorher vom Sprecher vorm (Runden)Zielbogen persönlich begrüßt. Er macht sogar Werbung für meinen Teamnamen, indem er das Läuferherz Darmstadt nennt! Nette Gesten …

und ich freue mich über das Lächeln von Uta vor der Infotafel an der Bergstation der Gondel!

Auf diesen Spruch falle ich dann in Runde 10 nicht mehr rein, 😛 ich weiß, so locker bin ich nicht mehr unterwegs! – Es wird dunkler, das Restlicht und das Licht der anderen reicht nicht mehr. Die superleichte Stirnlampe stört nicht so, wie die eigene und bleibt dauerhaft eingeschaltet!

… und dann: Hat das 1. Nachtmahl angeschlagen, hab ich den Turbo gezündet? – Der Einstieg in die Nacht gelingt gut! Runde 11 und 12 kann ich jeweils unter einer Stunde gehen und doch hatte ich nach Runde 11 kommentiert, „Mühsam ernährt sich …!“ – Prompt antwortet Doris

Aber dann wird es wirklich schwerer und bei der aufkommenden Kälte will ich nicht den gleichen Fehler wie beim MegaMarsch 2025 machen! Ich ziehe nach der 13. Runde ein langes, wärmeres Shirt an. Die Pause verlängert sich dadurch das 1. Mal, aber das tut sehr gut!

Runde 14, der 1. echte Hänger! Oder Tiefpunkt? – In Runde 4 waren mir ein paar Schritte schwer gefallen, da halfen die Ablenkungen durch meine Frau und Lizzy, danach flutschte es besser. – Die Kopfarbeit beginnt! Es kostet schon Kraft mich die Steigungen hochzuasten, jetzt kommen diese Fragen auf: „Warum machst du das hier? – Musst du das in deinem Alter wirklich durchziehen? – Die anderen sind alle mindestens 4 Jahre jünger?“  Bin ich mental stark genug?

Nach elend langen 80 Min. hab ich dann auch die 14. Runde bewältigt. Ich ziehe mir Beinlinge an und dünne Handschuhe unter meine Radhandschuhe. Letztere brauche ich zum Schutz meiner arthrotischen Daumengelenke, die beim Einsatz der Stöcke belastet werden. Dafür wird das Ziehen in den Sehnen (Ellenbogen) unangenehmer. Kurze Massagen helfen etwas zu entlasten!

Nach der Pause sitze ich in der Gondel ohne Dropbags! Ein gutes Zeichen? 1 x muss ich noch hoch, um die Beutel zu holen. Auf die Idee hochzugondeln komme ich zum Glück nicht! 😛

Mit einer Zunahme der Belastungen rechne ich eigentlich nicht, aber es kommt richtig und knüppelhart. Jedesmal wenn ein weiteres asphaltiertes Stück beginnt, nehme ich Tempo raus und gehe die Steigung langsam und in kleinen Schritten an. Ich nutze die Wegbreite und zickzacke die steilen Stücke hoch. Es dauert 87 Min., aber irgendwie schaffe ich die 15. Etappe!

In der VP lasse ich mich in einen Liegestuhl plumpsen, muss tief durchschnaufen und sorge mich wegen des Rumorens in Magen-Darm! Zu viele kalorienhaltige, meist süße Energybooster?!? – Zum Glück entlastet ein Gang auf Toi! Ich kann befreiter nachschieben, den Hunger stillen! 😆

Dann sitze ich wieder ohne Dropbags in der Gondel 😉 und nutze die Decken, die hier liegen, um warm zu bleiben! Unten beiße ich auf die Zähne und starte die 16. Runde, die erneut eine richtig harte Geduldsprobe wird! Nur der murrende Geist in mir ist verstummt, so ohne echte Chance sich durchzusetzen! 😆 Stimmt die Einschätzung meines Bruders, ich sei ein Mentalitätsmonster?

Am Ende der langen Runde (85 Min.) beginnt es zu dämmern. Ich nehme es noch nicht so recht wahr, setze mich in der VP in einen Liegstuhl und ziehe mir eine lockere kurze Hose über die Kiwami, um ein Auskühlen zu vermeiden! Als ich dann endlich in der Gondel sitze, realisiere ich die ersten Sonnenstrahlen. Ein neuer Tag beginnt und die Hoffnung, dass ich’s packe wächst!

Kurz nach dem Start der vorletzten Runde blicke ich kurz zurück. Ich bin alleine auf weiter Flur, keiner könnte mich ziehen oder nerven … durch schräge Kommentare, die es nie gab! 😛

Mitten drin überhole ich doch noch 2 Wanderer. Die armen müssen noch eine Runde mehr gehen und sind sogar noch langsamer unterwegs als ich! Ob es motiviert, ich durch mein Tal bin? Die Runde kann ich deutlich schneller steigen! … und dann kommt sie – DIE LETZTE RUNDE!

Die 17. Etappe schaffe ich zügig in 62 Min. Das Bewusstsein der letzten Runde scheint mich dann noch mehr zu motivieren. Ich reiße mich zusammen und bin nach 58 Min. endlich im Ziel!

Natürlich gibt es einen herzlichen Empfang, ich bekomme die Medaille (aus Holz) umgehängt, aber zum Glück gibt es kein Riesengedöns um mich als ältesten Teilnehmer. Ich ziehe trockene Klamotten (VP) an und nehme jetzt die Dropbags mit! 😉

Die letzte Gondelfahrt wird zum erleichternden Genuss! – Nach Abgabe der Stirnlampe wird da und dort noch ein bisschen gequatscht, dann geht endlich der Bus zurück ins Hotel!

 

Nach der erfrischenden Dusche sehne ich mich dann nach einer etwas anderen Mahlzeit. 😆

Auf einer kleinen Wanderung am nächsten Tag hab ich Lust auf was kalorienhaltiges Süßes.

Zuhause gucke ich mir die Urkunde an. Der AK-Platz verzerrt, da die Senior-Master-Men bis zu 20 Jahre jünger waren, mit denen ich mich nicht messen kann! 😆 Da ist es eher tröstlich, dass 11 Läufer hinter mir ins Ziel kamen und sogar 37 x ein DNF zu finden ist, was gut 22 % sind!

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