Geht nicht anders, ich muss früh raus, um 6.20 Uhr los, noch ist’s dunkel, diesig-neblig. Es herbstelt halt, aber die 16°, bei hoher Luftfeuchte, fühlen sich zu warm an.
Nach 700 m liegt die Siedlung hinter mir, Steckenbornweg und Wald vor mir. Es nieselregnet ab und zu. Aber, ist da nicht mein Schatten auf dem Weg? Beim Hochsehen, lugt der abnehmende Mond durch die Wolken. Geile Stimmung, sorry, nur so lässt sich’s auf den Punkt bringen!
Ich entere den Wald und marschiere gen Osten, als ich das typische langgezogene, heulende Huh-Huhuhu-Huuuh höre. Sie rufen gern im Dunkeln in der Herbst- und Winterzeit,
zur Stimmung passend – (Dank an erik_karits – Pixabay)
die Käuzchen, wie ich den Vogel liebevoll nenne! Leise versuche ich den Ruf nachzuahmen, früher ging es aber noch besser. Ich will es nicht laut versuchen, nicht dass ich einen Kauz anlocke, ich weiß doch nicht wie ich den Ton treffe und wie der Vogel dann reagiert!?!
Wetter und Stimmung passen zum Ruf! Tolles Naturerlebnis, obwohl ich den Vogel nicht sehe!
Alleine dafür hat sich das frühe Aufstehen doch schon gelohnt!
Nach 6 km nutze ich einen Querweg für eine Schleife, bevor es im Bogen zurückgeht!
Die Dämmerung setzt ein,
nicht dass ich die Äste übersehen hätte, aber so kann ich sie besser übersteigen!
Dann komme ich wieder auf einen etwas größeren Forstweg. Den Ruf des Käuzchens hab ich nicht mehr gehört, so versuche ich es nochmal. Das Huh-Huhuhu-Huuuh gelingt etwas besser. Mit dem Vorhaben den Ruf zu üben, um ihn besser imitieren zu können, marschiere ich weiter! 😆
Nach der Überquerung der Odenwaldbahn marschiere ich in Richtung Bismarckturm. „Ist da nicht mitten im Wald eine Hütte, die ich bei meinen Tempelrunden glatt übersehen, bzw. vergessen hatte?“, geht es mir durch den Sinn! – Ich nehme mir vor sie zu suchen!
Mein Tempo geht etwas runter, aber übersehen kann ich sie eigentlich nicht!
Jetzt siegt die Neugier und ich gehe zu ihr hin und umkreise sie. Ich finde kein Namensschild, aber auch nicht den Weg, auf dem man früher zu ihr gehen konnte. Nicht, dass ich oft oder überhaupt mal dort war, aber ich kann eine Anekdote zu dieser Hütte erzählen:
Vielleicht ist’s 30 Jahre her, ich lief auf gleichem Weg, bei ähnlich feuchtem Klima, nur in höherem Tempo. In Höhe der Hütte, sah ich dort 2 junge Leute, die ihr Auto zu schieben versuchten. Ich verdrängte die Frage ‚Was hat die hierher verschlagen?‘ Klar war, die brauchen Hilfe! Das junge Pärchen (US-Army) wusste nicht, wie man ein Auto auf matschig-nassem Untergrund vorwärts bewegt! Die Räder hatten sich tief in den Boden ‚gefressen‘! Nichts zur Hand, also Fußmattentrick her. Nur war der junge Mann zu ungestüm, ließ den Motor mehrfach aufheulen und die Räder durchdrehen, bevor sie auf den Matten und das Auto wieder flott war. – Ein paar nette Worte, oder ein angemessener Dank hätten mich dann schon erfreut. Nichts dergleichen, im Nu waren sie verschwunden! Hatten sie ein schlechtes Gewissen nach einem Schäferstündchen im Wald? 😛 – Dann sah ich, sorry, ich ähnelte einem Schwein mit Schlammpanzer nach einer Suhle! – Der Dank für meine Hilfsbereitschaft! 😳
Bei der (Vor)Geschichte hätte ich eigentlich sofort an die Hütte denken müssen! 😆 Verdrängt hatte ich sie sicher nicht, kann ich doch längst lächeln, wenn ich an die Begebenheit denke!
Kurz drauf überquere ich die B 449 und höre ein weiteres Mal ein Waldkäuzchen. Toll!
2 km später begegne ich 2 Mittelstufenschülern, auf dem Weg zu meiner alten Wirkungsstätte. Einer klatscht in die Hände und ruft „Weiter so!“ – Ich erwidere: „Komm doch mit!“ – Er: „Ich muss zur Schule!“ – „Ich schreib dir ne Entschuldigung!“ – „Oh ja!“, sagt er erst, bevor er dann doch seinen Kameraden in Richtung Schule begleitet. Er kann ja nicht wissen, dass ich, als ehemaliger Schulsportleiter genau dieser Schule, berechtigtes Interesse an der Bewegung junger Leute habe! Aber welche Begründung hätte ich auf die Entschuldigung geschrieben? ‚Vom ehemaligen Schulsportleiter entführt, zwecks sinnvoller Bewegung vor den Herbstferien!‘ ? 😛 Einige Kollegen, u. a. auch der neue Schulsportleiter, kennen mich ja noch, aber hätten sie es akzeptiert?
Die Stimmung kann ich bis zum letzten km genießen, bevor ich nach 15 km (191 hm) zurück bin!





