Ich sitze im Prüfungsraum und führe die Aufsicht beim schriftlichen Abitur. Meine Schüler haben die Auswahl getroffen und wissen, welchen Vorschlag sie bearbeiten wollen. Alle legen sie los und es ist ziemlich schnell mucksmäuschen still. Ab und zu knärzt ein Stuhl, oder es ist das Geräusch beim Umblättern zu hören.

Nach geraumer Zeit wird es wieder etwas unruhiger im Raum. Es wird wieder häufiger die Sitzposition gewechselt, etwas getrunken, oder genascht … und es werden – schön nacheinander natürlich – Toilettengänge angemeldet, minutiös im Protokoll festgehalten.

Wenn ich auch diese Protokolle noch nicht ausgewertet habe, bleibt der Eindruck hängen, dass sich diese „Gänge“ zu bestimmten Zeiten häufen. – Meiner Interpretation nach zieht nicht nur der innere Druck auf die Blase nach draußen, denn es werden auch die anderen, die nicht nach draußen gehen, nach einer gewissen Zeit wieder unruhiger. Ich denke, dass auch der Bewegungsdrang dahinter steckt. Dieser Bewegungsdrang ist ja nicht nur meinen Schülern zueigen, weil sie Kursteilnehmer eines Sport-Leistungskurses sind. Es ist das Grundbedürfnis eines jeden Menschen. Kinder sind ständig und immer in Bewegung und können viel ausdauernder spielen; wir Erwachsene haben uns diesen Bewegungsdrang totgesessen.

Viele Tätigkeiten, nicht nur am PC, verlangen von uns oft stundenlanges Sitzen, so auch eine Abiturprüfung … und Prüflinge haben halt nur diese Minimal-Chance sich mal wieder Bewegung zu verschaffen. Da ist man doch einfach nur happy, wenn man sich dann wieder bewegen darf!

Wir Läufer sind hierin einfach nur fair unserem Körper gegenüber!
Der Bewegungsdrang ist erhalten geblieben, oder wieder zum Leben erweckt worden!
Ich wünsche euch viel Spaß, wenn es heute wieder raus geht … tobt euch aus!

2 thoughts on “Bewegungsdrang II”

  1. Wie gut, dass du auf der anderen Seite sitzen kannst, nicht mehr dem Stress ausgesetzt bist, wie die Schüler !!

    Das mit dem Bewegungsdrang kann ich nur unterschreiben, für mich gibt es wenig Schlimmeres, als stundenlang irgendwo sitzen zu müssen, auch privat, anderen hingegen scheint das gar nichts auszumachen, hatte gerade Besuch, sie könnten Tag und Nacht sitzen und weiter essen, trinken, erzählen – das ist nichts für mich, ich brauche BEWEGUNG wie die Luft zum atmen.

    1. Ja, Bewegung, wie die Luft zum Atmen!
      Deswegen fahre ich auch mit dem Fahrrad zur Schule! Da es nur ein kurzer Weg ist, lohnt es sich sowieso nicht mit dem Auto zu fahren!
      Unsere Oberstufenschüler fangen aber in jungen Jahren schon an, bequem zu werden! 🙁

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