muss man?

Von in 2020, mal was anderes 16 Kommentare

Sind wir immer ehrlich uns selbst gegenüber

… und sind wir so frei, wie wir uns fühlen?

Oder haben wir uns selbst schon ziemlich eingeengt, haben uns sehr eng gehaltene Vorlieben angeeignet und ziemlich ausgeprägte Abneigungen? Wir MÜSSEN das so oder so machen? – Oder sind wir so tolerant, dass wir uns gar nicht mehr festlegen wollen? – Wir MÜSSEN offen bleiben?

Es wird so viel gehypt … dass man doch da einfach mitmachen MUSS!

  • Man muss sich Trainingspläne schreiben lassen!
  • Man muss immer schneller werden!
  • Man muss Spaß haben beim Laufen!
  • Man muss nach spätestens einem Jahr Marathon laufen!
  • Man muss 10 km unter 35 Min. laufen, um richtig schneller Läufer zu sein!
  • Man muss Marathon unter 3 Std. laufen, um richtiger Langstreckenläufer zu sein!
  • Man muss sich entschieden gegen die Bezeichnung <Training> für eine Laufeinheit äußern!
  • Man muss den Laufstil verändern!
  • Man muss Minimalschuhe laufen!
  • Man muss Stadtläufe verachten!
  • Man muss glücklich sein im Leben!
  • Man muss sich vegan ernähren!
  • Man muss anders sein als andere!
  • Man muss … was noch … ach ja
  • Man muss Kindern verbieten außerhalb der Mahlzeiten zu essen!
  • Man muss Kinder früh ans Leistungsdenken der Gesellschaft heranführen!
  • Man muss in Zeiten des Homeschooling die Familien mit Bildungsaufträgen „zuballern“!
  • Man muss durchdrehen wegen des neuartigen Virus … auch als Politiker!
  • Man muss alles dem Mainstream unterordnen!
  • Man muss die Füße hochlegen, da die Welt sowieso untergeht!
  • Man muss die Abi-Bedingungen verschärfen, da es (angeblich) nichts mehr wert ist!
  • Man muss fürs Klima demonstrieren!
  • Man muss Verschwörungstheorien verbreiten, damit wirklich alle gewarnt sind!
  • Man muss Greta T. verachten!
  • Man muss 3jährige schon alleine entscheiden lassen!
  • Man muss E-Bike fahren … auch wenn man nur eine 2-km-Strecke hat!
  • Man muss in der Innenstadt Straßen für Dieselfahrzeuge sperren!
  • … ja insgesamt muss man die anderen missionieren und die Welt retten!

Was aber, wenn es draußen gerade regnet? 😳

Sorry, das war jetzt erst Recht nicht seriös … aber das musste jetzt auch raus! 🙄

Kürzlich … dieser junge Mann … der so zwischen 45 und 46 Min. auf 10 km läuft (nicht herablassend gemeint). Was hat er sich aufgeregt, als er bei einem Event im unwegigen Geläuf auf langsamere Mitstreiter einer kürzeren Distanz auflief und diese ihn nicht gleich vorbeigelassen haben! 😥 Man muss ihn doch vorbeilassen, der er kein Spaziergänger ist, er muss doch möglichst weit vorne landen!

Mal was von Toleranz gehört … auch sich selbst gegenüber?

… aber ist es nicht allgemein in unserer Gesellschaft so? – Heute MUSS man!

Du auch? – Ich nicht!

… nicht beim Laufen und möglichst wenig im „sonstigen“ Leben!

Natürlich haben wir Prinzipien, Ideale und Vorlieben (ich auch) und manches passt uns (gerade) nicht so, aber das Leben ist doch dadurch spannend, dass wir alle sooo verschieden sind … und dann kann ich auch (mal 😉 ) locker lassen! – … oder?

– – – – – – –

Zum Schluss noch ein kleines Beispiel! – Hat doch vor nicht allzu langer Zeit der Herr Glööckler bei <Hart aber Fair> von sich gegeben, dass man Kindern Freiraum lassen muss, man darf sie auf gar keinen Fall einschränken! … und dann echauffierte er sich, dass man auf gar keinen Fall verzichten muss! … – Nicht ein bisschen verzichten, also runter schrauben? – Sie wissen schon, Herr Glööckler, dass wir so die Welt nicht retten können? 😥

Da setze ich zum Schluss etwas bissig drauf: Rücksichtnahme kennen solche Mitbürger vielleicht gar nicht? … nach Ihnen die Sintflut! 🙁 Schade drum!

Musst du auch, oder musst du auf gar keinen Fall? 😳

16 Kommentare

  1. Catrina |

    Lieber Manfred
    Ja, es ist eine schmale Gratwanderung zwischen Zwang, Krampf und Druck und zielführendes Denken und Handeln.
    Manchmal braucht es ein dezidiertes, diszipliniertes “Muss”. Zum Beispiel wenn es draußen düsteres Wetter ist und ich eigentlich keine Lust habe, rauszugehen 😬😬. Aber ich weiß, dass mir das Laufen gut tun würde. 😊
    Dieser Lockdown ist im Übrigen eine gute Verzichtsübung – hoffentlich lernen wir etwas daraus.
    Liebe Grüße aus Zürich!

    Antworten
    • Manfred |

      Liebe Catrina,

      natürlich gibt es Dinge, die „müssen“ sein. Aber das Rausgehen ist doch auch etwas, was ich im Grunde genommen will, auch wenn es (bei manchen) einen inneren Schweinehund gibt. Ich sag immer, dass ich den gar nicht kenne! 😉

      Als Lehrer muss ich mich zu Korrekturen aufraffen, spätestens wenn sie schon ein paar Tage liegen. Etwas was ich überhaupt nicht gerne mache, aber ist ja nicht mehr viel und oft! 😎 Bin ja nicht mehr der Jüngste! 😛

      … und manchmal ist es eine Gratwanderung, wie du richtig schreibst!

      Ich bin auch gespannt, wie wir dann wieder zurück finden in ein „normalisiertes“ Leben. Es gibt ja Unkenrufe, dass wir nix lernen und sogar noch beschleunigt weitermachen! 😥

      LG und euch einen schönen Sonntag in Zürich! Manfred

      Antworten
  2. Elke |

    Lieber Manfred,
    vor allem muss man
    sich nicht verbiegen,
    sich nicht unter Druck setzen lassen,
    nicht jedem Trend hinterher rennen,
    man selber sein und bleiben.
    Die Grenzen sind aus meiner Sicht die Grenzen des anderen. Jeder darf sich soweit ausleben, solange er nicht die Grenzen anderer verletzt und andere nicht mehr respektiert. Und in der derzeitigen Situation gilt aus meiner Sicht: Jeder muss seins dazu beitragen, dass wir aus der ganzen Situation wieder gut herausfinden…
    Und zu diesem Läufer“Kamerad“ sage ich lieber nichts… 🙁
    Liebe Grüße
    Elke

    Antworten
    • Manfred |

      Liebe Elke,

      ist sicherlich weise, denn dieser Läufer scheint wohl noch in einer Findungsphase zu sein … erst raus auf Trails, dann „Ultra“, er meinte länger und letztens traf ich ihn beim Kauf eines Straßenlaufschuhs. Ich wünsche es ihm, dass „er sich findet“, hoffe aber dabei, dass er auf dem Boden bleibt!

      Grenzen sind ja angeblich da, um sie zu verschieben, oder (?) zu überwinden? – Wichtig ist, dass ich anderen nicht zum Nachteil werde. Frei nach dem Motto: meine Freiheit hört dort auf, wo ich die Freiheit des anderen verletze!

      Schön, wenn jede/r sich gerade jetzt besinnt und ihren/seinen Teil dazu beiträgt … und sei dies nur, dass es (in der eigenen Umgebung) erträglich gestaltet wird.

      Alles Gute und LG in die Kölner Ecke! 😉 Manfred

      Antworten
  3. Volker |

    Lieber Manfred,

    man MUSS schon manchmal aufpassen, dass aus dem eigenen Wollen nicht irgendwann ein MÜSSEN wird. Das gilt im Alltag wie beim Laufen. Ich denke so ganz kann sich da kaum einer von frei machen. Sich zumindestens gelegentlich einmal selbst zu reflextieren kann da aber ganz hilfreich entgegenwirken.

    Ansonsten bin ich ein Freund davon den eigenen Horizont stetig zu erweitern, was aber nicht heißt, dass man alles Neues, was einem begegnet, auch toll finden MUSS. Mein Lieblingsspruch in dieser Hinsicht: „Wer nach allen Seiten offen ist, der kann nicht ganz dicht sein“ 🙂

    Versuchen wir also weiter unser Glück zwischen Müssen, Dürfen, Wollen und Können zu unterschieden. Es bleibt spannend 😎

    LG Volker

    Antworten
    • Manfred |

      Lieber Volker,

      ich hoffe, es ist rauszulesen, dass ich das natürlich ein (ganz 😉 ) klein wenig überspitzt dargestellt habe!

      Auf der einen Seite ist es eine Gratwanderung, wie es Catrina ja auch schon geschrieben hat, auf der anderen Seite dürfen wir natürlich auch unsere Macken behalten! 😎

      Dein Spruch ist gut und da wir ja eh durchgeknallt sind – wie könnte man denn stundenlang durch die Pampa rennen – können wir es uns auch leisten „nicht ganz dicht zu sein“!

      Jetzt müssen wir „nur“ das Virus C überleben! 😛

      LG Manfred

      Antworten
  4. ultraistgut |

    Lieber Manfred, was man muss, ist und war für mich noch nie relevant, was man sagt,was man tun soll oder nicht. Ich tue das, wonach mir ist, nicht das, was man mir sagt, was man von mir erwartet, ohne dabei irgend jemandem zu schaden. Was man macht, ist für mich keine Richtschnur, im Gegenteil, es reizt mich anders zu sein, das zu tun, was man nicht tut.

    In diesem Sinne ! Bleibt gesund !

    Antworten
    • Manfred |

      Liebe Margitta,

      sehr gut und bewahren wir uns „diese persönliche Freiheit“ und lassen wir uns in keiner Schema pressen! 😉

      … und anders sind wir als L(angstreckenl)äufer ja sowieso! … a little bit crazy! 😆

      Bleibt auch ihr da oben gesund … auch unter Mareike!
      LG Manfred

      Antworten
  5. Helge Orlt |

    Lieber Manfred,
    oh was vielschichtige Fragen und Meinungen 😆
    Eines der größten Probleme unserer Zeit ist wohl des Wörtchen ICH. Wir sind oft zu konzentriert auf uns selbst. Darauf was ICH will, was ICH kann, was ICH darf und was ICH brauche.
    Wenn ich meine Kinder dahingehend erziehe, das es darum geht, das JEDER in der Gesellschaft seine Rechte und seine PFLICHTEN (böses böses Wort heutzutage) hat, das es um ein „gemeinsam“ geht, dann stellt sich doch die Frage der Einschränkungen des Kindes gar nicht. Weil, wenn eine Gemeinschaft funktionieren soll, dann sind Einschränkungen logisch und nicht verzichtbar. Millionen von Autos auf den Straßen könnten niemals funktionieren, wenn es keine Regeln und Begrenzungen gäbe. So ist das halt. Warum sind die Worte „Nein“, „Regeln“ und „Disziplin“ so negativ angehaucht? Sind es doch gerade die Dinge, die auch Schutz bieten.
    Müssen tut man also eigentlich nichts, außer sich so verhalten, das es keinem anderen Wesen schadet.
    Wäre selbstverständlich. Eigentlich.
    Ist aber leider gerade gar nicht cool.
    Liebe Grüße
    Helge

    Antworten
    • Manfred |

      Liebe Helge,

      hab doch extra breit gestreut. 🙂 Zudem hat dieser Beitrag auch eine längere „Vorgeschichte“! Weiter unten hab ich ja auch nur 2 Beispiele drin! 😉

      … und ja, das ICH. Ist doch auch wichtig, dieses ICH, allerdings nehmen sich so einige Zeitgenossen viel, viel zu wichtig! 😛 … und manchmal entsteht ein Streit aus einem überzogenen, oder soll ich sagen verzogenen Ego heraus! Weil man sich so wichtig nimmt, fühlt man sich auch zu schnell persönlich angegriffen! 😥

      Da ist zum einen die Erziehung dran „Schuld“, zum anderen aber auch die immer schlimmere Beeinflussung durch die Medien. Die suggerieren uns doch, dass wir wichtig sind! Mehr Likes, desto bedeutsamer der Einzelne! Grrrr!

      Hielten wir uns alle etwas zurück und nähmen aufeinander Rücksicht, bräuchten wir auch nicht so viele MUSS! – Ist nicht die Kontaktsperre jetzt zu Zeiten von Virus C ein super Beispiel dafür? Eine größere Rücksichtnahme im Vorfeld und ein vernunftgesteuertes Vorgehen in der Öffentlickeit, hätte vielleicht gar nicht dieser strengen Regeln bedurft! 👿 ( … aber: hätte, hätte … auch wenn ich diesen Reim überhaupt nicht mag!)

      Weil wir aber nicht Mainstream sind, ist unser Verhalten, bzw. unser Hobby doch cool, oder? 😎

      LG Manfred

      Antworten
  6. Anna |

    Lieber Manfred,
    es gibt oft zu viele MUSS und zu viele davon machen wir uns selber. Einige Sachen MÜSSEN schon sein, aber wir sollten uns öfter die Frage stellen, MUSS das unbedingt sein 😉
    Liebe Grüße Anna

    Antworten
    • Manfred |

      Liebe Anna,

      oh, vielen Dank für deinen Kommentar!

      Schön von dir hier zu lesen! – Da kann ich dir hier ja noch nachträglich zum Geburtstag gratulieren, auch wenn er schon ein paar Tage her ist! 😉

      Mit meinem Einstieg wollte ich schon auch jeden Einzelnen, also auch mich selbst, ein bisschen hinterfragen. Nicht dass wir zu schnell über andere lächeln, oder gar rechten! … trotz aller MUSS-Statements, über die ich selbst so oft stolpere.

      Bleibt bitte in Zeiten dieses Virus C als Familie wohlbehalten und gesund!

      LG Manfred

      Antworten
        • Manfred |

          Liebe Anna,

          bitte gerne doch! 😉

          Im engsten Familienkreis … das hat doch auch was, mit Mann und so lieben Töchtern! 🙂

          Bleibt bitte gesund!

          LG Manfred

          Antworten
  7. Anne |

    Lieber Manfred,

    oft ist ein „Muss“ mMn ein verkapptes „Ich will das einfach so“. Also keine Norm, sondern schlicht Ausdruck eigener Bedürfnisse. Bedürfnisse sind was Individuelles, für das man einstehen müsste, das man bei Kritik (oder dann, wenn andere eben andere Bedürfnisse haben, die gleichberechtigt den eigenen gegenüberstehen) hinterfragen müsste. Eine Norm ist eine Verpflichtung, die weniger rechtfertigungspflichtig und schwerer anzugreifen ist. Wenn also Schwierigkeiten hat, seine Bedürfnisse zu legitimieren, und ungern persönliche Verantwortung für seine Entscheidungen übernimmt, versteckt sich gern hinter einer Norm, um unangreifbar zu bleiben. So ist jedenfalls mein Eindruck.

    Liebe Grüße &
    bleib gesund
    Anne

    Antworten
    • Manfred |

      Liebe Anne,

      schön von dir hier zu lesen! 🙂

      Du drückst es nochmal anders und mit reflektierter Differenzierung aus. So sind auch individuelle Bedürfnisse auf jeden Fall und ohne Frage legitim!!!

      Schade finde ich, dass solche MUSS-Botschaften oft nicht sehr klar als eigene Bedürfnisse formuliert werden, sondern als NONPLUSULTRA gehypt werden! Dabei wird gerade in den sozialen Netzwerken ein immenser Druck ausgeübt. Leider sind die jungen Leute nicht mehr so reflektiert unterwegs und unterstellen sich diesem Druck. Nicht wenige leiden in Wirklichkeit darunter.

      Andere überschätzen sich in hohem Maße, leiten aber aus dieser „nicht kompatiblen“ Selbstsicht Verpflichtungen für andere ab! 👿

      Schön wäre es, wenn wir alle eine vernünftige Selbsteinschätzung entwickelten und persönlich Verantwortung übernähmen!

      Bleibe bitte gesund!
      LG Manfred

      Antworten

Und, was denkst du?