Wege und Schneisen

Von in 2020, mal was anderes 14 Kommentare ,

Zu meinem Beitrag über den Betrieb auf der „Schirmschneise“ fragte mich Elke:

„Aber woher kommt dieser Name?“

Da bin ich doch prompt selber neugierig geworden und hab ganz ehrgeizig gedacht: „Da muss doch was rauszukriegen sein!“ 😳
Erste Recherchen machte ich immer wieder einmal zwischen den jeweiligen Noten- und Zeugniskonferenzen am 22.01. und 23.01. 🙂

… und welche Schritte geht man heutzutage, wenn man was rauskriegen will?

Genau! – Man startet den Rechner, öffnet den Browser und surft los! Viel erwartete ich nicht, dachte evtl. auch gar nix rauszubekommen. – Aber, aber … weit gefehlt! – Ein erstes Detail belief sich auf die Unterscheidung zwischen Wegen und Schneisen. … Hmm! 🙄

Bisher waren mir die unterschiedlichen Bezeichnungen zwar aufgefallen, hab sie registriert (z. B. Ludwigsweg – Buckelschneise) dieser Nuance aber keine Beachtung geschenkt.

 

Jetzt weiß ich, wie zu unterscheiden ist. Laut Wilhelm Andres verlaufen Wege eher „gewunden“ durch Wald und Forst, während Schneisen schnurgerade verlaufen. Das ist allerdings nicht der einzige Unterschied. Schneisen sollen erst 300 Jahre alt sein, während sich das Alter vieler Wege im Dunkel des Mittelalters verliert, oder noch weiter zurück reicht. 🙄

Im Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt soll wohl ein Wegename des Darmstädter Waldes aus dem Jahr 1308 zu finden sein. Mensch, da hat aber jemand tief geschürft! 😉 … und umständlich ausgedrückt haben sie sich damals: „an der Heynenstrate juxta Regelsburnen“ 😛

Die Altersstraßenforscher gehen noch weiter und haben auch zu dieser Bezeichnung einiges herausgefunden, so z. B. weiß man mit ziemlicher Sicherheit welche heutigen Wege auf der damaligen Heynenstrate verlaufen, was der Name bedeutet und auch was Regelsburnen meint. – Doch HALT, ich will mich nicht verlieren, es würde zu weit führen 😉 zumal sich die alten Römer, Nonnen und Händler auf diesen Wegen getummelt haben! 😆

Die Namensgebung bei den Schneisen ist noch enger mit ihrer Entstehung verknüpft. Ein Herr Jagdlandgraf Ernst Ludwig (1688-1739) soll so bekloppt gewesen sein (sorry) und soll Schneisen, also schnurgerade „Straßen“ schachbrettartig angelegt haben, um seine Jagd und Jagderfolge per Kutsche verfolgen zu können. – Parallel zu den Jägern fahrend, verfolgte der Hofstaat wie Tiere umgebracht wurden. Schräg oder? 👿

Nee, mir darfste damit nicht kommen, ging es doch vielen Fürsten damals sogar nur darum, möglichst viele Tiere zur Strecke zu bringen. Es ging also nicht mehr um Nahrungserwerb! Grausam! 👿

… aber wie war ich doch gleich darauf gekommen? … achja, Schirmschneise … 😉

Im Darmstädter Wald gibt es 2 „Schirmschneisen“. Ihre Namen leiten sich von Jagdeinrichtungen (getarnte Anstände) ab, die einst im Forst recht verbreitet waren. Eine Schirmschneise gibt es im Oberwald, die andere hier in der sogenannten Eberstädter Tanne. Letztere zieht sich aus der Siedlung heraus von Ost nach Westen bis zur Teichschneise.

Sooo, jetzt wissen wir alle Bescheid … und ich hoffe, dass es die Anstände nicht mehr gibt, bzw. so es sie noch gibt, dass sie nicht mehr im Gebrauch sind und uns Läufern aufgelauert wird … und wir hinterrücks … 😛

14 Kommentare

  1. Catrina |

    Lieber Manfred
    Vielen Dank für die Nachforschungen! Jetzt sind wir alle ein bisschen schlauer!
    Ich staune manchmal, was man so alles über das Internet erfahren kann.
    Ab und zu klettere ich gerne so einen Anstand hoch, um die Aussicht zu geniessen. Ich hoffe auch, dass niemand auf die Idee kommt, die armen Jogger ins Visier zu nehmen! 😳

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    • Manfred |

      Liebe Catrina,

      gern geschehen! Wie geschrieben war ich ja selbst neugierig geworden! 😉 Dass ich doch recht viel erfahren würde, hätte ich nie erwartet. Von daher ist es definitiv erstaunlich, was man so alles im Internet erfahren kann! 🙂

      Vielleicht sollte ich mir mal die Mühe machen und die Gegend absuchen, um danach sicher zu sein, dass niemand uns Läufer ins Visier nimmt. Das könnte ich ja mit einem Hindernislauf kombinieren. 🙂

      LG Manfred

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  2. ultraistgut |

    Lieber Manfred, ich sage es doch, ein Hoch aufs Internet, wie schön, dass man dort (fast) auf alle Fragen eine Antwort findet ! Wieder was dazu gelernt !!

    Freue mich auch immer, wenn ich auf Fragen (oft genug von Kindern !) schnell eine Antwort im Netz finde – für mich ein Segen ! Früher musste man in Lexika suchen und suchen – heute erhälst du meist ganz schnell Antworten auf alles, was wir wissen möchten !!

    “ Früher war alles besser „, wie oft habe ich das von Älteren gehört und höre es auch heute ab und an, aber es sind gerade die, die überhaupt kein Interesse an neuen Medien haben – so wird man sicherlich schneller alt – oder ?

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    • Manfred |

      Liebe Margitta,

      ja, diesbezüglich haben wir einen „Riesen“sprung gemacht. … und doch sollten wir nicht alles (von uns) preisgeben! 😉 Schön ist es aber, wenn wir vor allem Allgemeinwissen und Wissenswertes so toll teilen können! 🙂

      Zum Glück wissen wir ja, dass solche Allgemein“plätze“ („Früher war alles besser“) nicht stimmen … und da wir nicht einrosten wollen … ! 😆

      Auf dass wir jung bleiben … im Kopf und körperlich! 😉
      LG Manfred

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  3. Elke |

    Lieber Manfred,
    oha, da habe ich ja etwas ausgelöst… Danke für Deine Recherche und Erläuterung! Ich hätte bei Schneise eher auf einen waldwirtschaftlichen Hintergrund gedacht, während Wege für mich eher den Bedarf nach Fortbewegung von A nach B decken. Aber nun wissen wirs genauer, inklusive Schirm! 😉 Deine Hoffnung, dass keine Geschosse da herumschwirren, teile ich vollauf!
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Manfred |

      Liebe Elke,

      mach dir keinen Kopf. Wir haben alle was gelernt … sofern man sich drauf einlässt. 😉
      Aber zur Recherche hat mich meine Neugier getrieben. Demnach gerne geschehen!

      Da ich dort immer wieder mal vorbei komme, hoffe ich sehr inständig, dass da keine Geschosse fliegen!

      LG Manfred

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  4. regenfrau |

    Lieber Manfred,
    danke fürs Nachforschen! 🙂
    Wenn man die Erklärung (Wege und Schneisen) liest, scheint sie einem ja gleich wieder einfach oder zumindest einleuchtend. Nur selbst draufkommen ist immer so schwer! 🙄
    Aber dass die Schirmschneise so gar nichts mit Regenschirmen in bunten Farben zu tun haben mag, entäuscht mich schon ein klein wenig… 😉

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    • Manfred |

      Liebe Doris,

      och, gern geschehen! 🙂
      Es ist auch zu anstrengend sich immer und alles alleine auszudenken … ab und an dürfen wir dann von anderen lernen! 😆

      Die Farbenpracht könnten wir ja einbringen, indem wir in Zukunft bei Regen mit bunten Schirmen dort promenieren könnten. Also nicht allzu enttäuscht sein!

      LG Manfred

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  5. Volker |

    Lieber Manfred,

    weißt Du denn auch das Schneisen in unser beider Lieblingsstadt teilweise Gestell genannt werden? Warum das so ist läßt sich auch ergoogeln 😀

    LG Volker

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    • Manfred |

      Lieber Volker,

      da war was, hatte es von früher noch im Kopf, aber aktiv hätte ich es nicht mehr abrufen können. 😳

      In Berlin hatte ich auch den Begriff >Jagen< gelernt. Es ist aber recht schwer, darüber was korrektes (auf den Forst bezogen) rauszubekommen. LG Manfred

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  6. Helge Orlt |

    Lieber Marnfred,
    also hier oben im Hunsrück scheinen die Menschen weniger im Wald unterwegs gewesen zu sein. Hier gibt es keine Namen an Wegen und Schneisen. Der ursprüngliche Unterschied ist aber doch sehr einleuchtend.
    Mir ist das prinzipiell auch eher egal, ob ein Waldweg einen Namen hat. Hauptsache man kann gut drauf laufen 😆
    Das Internet macht es uns echt leicht. Wir wollen was wissen, also fragen wir das WWW. Und schon haben wir wieder was gelernt 🙂

    Liebe Grüße
    Helge

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    • Manfred |

      Liebe Helge,

      was spricht dagegen, dass du anfängst den Wegen und Schneisen Namen zu geben. Ich sehe darin schon auch Vorteile; man kann sich so unproblematisch schnell verabreden, kann Streckenabschnitte vermessen und Tempodauerläufe auf fest definierten Strecken machen, auch ohne GPS-Uhr etc. Auch kann man sehr schnell von der Qualität eines Weges erzählen, ohne dass man kompliziert erklären muss, wo er ist. – Wenn man natürlich nur alleine läuft und das auch nicht zu ändern gedenkt, braucht man das natürlich alles nicht! 😛

      Ich hatte was zu erzählen, hab aber selber auch viel erfahren!

      LG Manfred

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      • Helge Orlt |

        Lieber Manfred,
        also wenn ich den Wegen Namen geben würde …. das würde ungefähr so aussehen: Schöner grüner Waldweg 1, schöner grüner Waldweg 2, Herrlicher Waldpfad …. 😆

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        • Manfred |

          Liebe Helge,

          immerhin, es wäre mal ein Anfang! 😆 Und es würde eine Ortsbeschreibung für einen Treffpunkt erleichtern.
          „Wir wollten uns doch am Anfang vom herrlichen Waldweg 2 treffen und nicht am Anfang von Waldweg 5!“
          Toll, oder? 😉

          LG Manfred

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Und, was denkst du?